Kommt ihr aus Amerika?

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Es gibt sie doch, die kleinen Zellen rebellischen Ursprungs. Sie sind unzufrieden und machen Musik, und sie wollen weg, weil sie was von der Welt mitbekommen möchten. Nikaya ist eine typische Independent-Band. Von [ice]

2005 ist das Geburtsjahr für Nikaya, psychodelische und gitarrenlastige Musik ist einer ihrer gemeinsamen Nenner. Zur Zeit haben die drei Musiker keinen Proberaum. Auf Sozial-, Jugend- oder Vereinsräume verzichten sie, weil sie sich keinen Zeiten unterordnen wollen. So Proben sie lieber getrennt. Dieser Rock ´n Roll duldet wenige Kompromisse.

Julian Schütte aus Kirchmöser spielt seit sieben Jahren Schlagzeug und geizt nicht mit Vorbildern, wie mit The Doors Schlagzeuger John Densmore oder Jimi Hendrix Drummer John Mitchell. Auf dem Weg zu seinem Wunsch, „auf dem Instrument zu verstehn, was ich tu“, hilft ihm diese Bewunderung. Dynamik, Breaks, Polyrhythmen sind für ihn keine Fremdwörter. Nebenbei kramt er aber auch die Gitarre seiner Mutter unterm Bett hervor, bespannt sie neu und spielt drauf los. Mit seiner Genauigkeit bei Soundchecks und Spiel, unterstützt er noch vor allem Bassist Benjamin Schurich. Seit zwei Jahren trägt der Fußballfan und ehemaliges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wollin sein Instrument und übernimmt bei Konzerten Teile der Moderation. Durch sein sicheres Auftreten entlastet er Gitarrist und Sänger Florian „Flo“ Kusch, der zu den in sich gekehrten jungen Musiker gehört, die erst während des musizierens aus sich heraus kommen. Grundsätzlich ist für ihn „erstmal alles langweilig“, er beobachtet lieber, seine Meinung hält er anfangs zurück. Seit 10 Jahren spielt Kusch Gitarre und motiviert andere zum Musikmachen. Crossover Bands wie Linkin Park und die Popband Bro´sis (Brothers und Sisters) gehören zu allgemeinen musikalischen Jugendsünden des damals elfjährigen, sein Stil aber wurzelt eher im Old School Hardcore. Die Texte von Nikaya sind auf Englisch und kommen noch ohne Anspruch auf Verständigung aus. Wer mehr wissen möchte, muss das Booklet lesen.

Im ultraheissen Sommer 2006 wurde „Nikaya“ vom Kinder und Jugendzentrum in Hohenstücken eingeladen, um in einem Kinderzirkus aufzutreten. „Wir sagen immer ja“, meint Kusch und dafür sind sie am Vorabend in einem, vor sich hin kochenden, kleinen schwarzen Zelt gelandet. Zu trinken gab es wenig, um vier Uhr wagten sie den Ausbruch zu Mc Donalds. „Am nächsten Morgen sind wir halb tot aufgestanden und haben vor Kindern und Rentnern gespielt“, erinnert er sich, „Benjamin musste nach jedem Lied einen Clowns- Koffer, in dem Applaus stand, nach hinten schleppen, und als alles zu Ende war, kamen die Kinder auf uns zu und fragten, ob wir aus Amerika kommen.“ Es erschien ihnen wie der Lohn.

„Den Zusammenhalt bekommen wir über die Musik“, sagt Schurich. So geht es bei ihrem Song „Stinking Conceptions“ über engsternige Menschen im düsteren Hohenstücken, das wie ein schlechter Traum erscheint. Kusch hatte 10 Jahre in Hohenstücken gelebt. Jetzt ist er in Wollin gelandet, ein Lied über diesen Ort wird wohl nicht viel fröhlicher werden. In ihrem Kampf um musikalische Unabhägigkeit stellt Nikaya im Indie-Rock Bereich eine Alternative dar. Die Motorradclique von Seth Typhon möchte die junge Band bei ihrem nächsten Biker-Treffen haben und auf das „Little Woodstock Festival“ sind sie dieses Jahr eingeladen. Zudem ist in den kommenden Monaten die Produktion eines Demo-Tapes geplant. „Wir möchten soweit kommen wie es geht“, ist sich die Band einig. Der Anfang wurde 2005 in Brandenburg an der Havel gelegt, das Ende ist nicht abzusehen.

Weitere Informationen unter: www.nikayamusic.de.vu

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