Trommelfeuer von 64 Fäuste

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Monatelang dauerte die Vorbereitung für die „Nacht der Fäuste“ und über 500 Gäste kamen in das Audimax der Fachhochschule Brandenburg. Es war ein Mix von Boxfans und Neugierigen, sogar die „Halbwelt“ von Brandenburg an der Havel zeigte sich am Ring. Nur ein Wettbüro fehlte. Von [ice]

Der reguläre quadratische Boxring wurde im vorderen Bereich des Audimax installiert, auf der Bühne saß die Wettkampfkommission, an den drei übriggebliebenen Seiten jeweils ein Punktrichter und auf den Rängen bequem die Zuschauer. Eine große Videoleinwand stand hinter der Kampfarena, zwei Bars und ein Cateringausschank versorgten die Anwesenden. Die Organisatoren schafften durch gute Öffentlichkeitsarbeit die bestbesuchte Boxveranstaltung der letzten 10 Jahre. Adrenalin schwängerte die Luft.

16 Kämpfe wurden ausgetragen. Sowohl Unentschieden, als auch Handtuch werfen, Disqualifikation und richtiger Knockout, die Fans erlebten sämtliche Endergebisse. Es gab ausgewiesene Techniker, Klopper, Aggressive, Starke und Strategen, Erstlinge und erfahrene Faustkämpfer. Es gab Unversehrte, blaue Augen und was auf die Nase. Im Vergleich zwischen den bundesweit im Fernsehen übertragenen Showkämpfen von Regina Halmich/ Stefan Raab und Henry Maske/ Virgil Hill, war dieser Amatuerboxwettbewerb eine Wohltat: Er wirkte ehrlich, weil es mehr um den Sport ging, als um reine Fernsehquoten oder der späten Befriedigung eines angekratzen Egos. Freude und Enttäuschung sind hier persönlicher Natur, sie gehen unter die Haut.

Der erste jugendliche Kampf war kurz, der Unterschied zu deutlich, der Kampfrichter unterbrach die ungleiche Auseinandersetzung. Als Zürch (ABC Stahl) gegen Morosov (Oberhavel) antrat, lag Brisanz drin. Für den Brandenburger ging es gegen einen Landesmeister, die Herausforderung war groß, die Klopperei auch, sein hart erkämpftes Unentschieden gerecht. Anschließend kamen mit Tschetsch (Henningsdorf) und Kutzmitsch (Potsdam) zwei Techniker in den Ring, die einen spannenden Fight lieferten und den ästhetischen Aspekt des Boxsports vermittelten. Auch das Publikum wachte auf und sorgte für Stimmung. Schünke (Frankurt O.) zeigte bei seinem Auftritt gegen Hassane (ESV Frankfurt O.), dass Technik gegen Aggressivität nicht immer gewinnt, durchaus ein Grund für seine positive Bilanz: Von neun Kämpfen hat er acht gewonnen und einen verloren. Unter den Erstlingskämpfern zeigten Saidor (Ludwigslust) und Schmidt (Henningsdorf) beeindruckende Nehmerqualitäten. Erst wurde Saidor angezählt, dann mußte Schmidt dem Kampfrichter beweisen, dass er noch nicht K.O. ist. Mit blutigen Nasen und aufgeplatzen Lippen ging es hin und her, keiner gab auf. Lag es an der Unerfahrenheit in der Defensive? Oder an der Durchschlagskraft der beiden robusten Sportler? Saidors Trainer Dieter Schäfer änderte durch taktische Anweisung den Kampfrhyhthmus und verhalf so seinem Schützling zum Sieg nach Punkten. Schäfer stand, in seinen besten Zeiten als Boxer, im DDR-Kader für die olympischen Spielen 1960 in Rom. Das Audimax kochte.

Lokalmatador Wille (ABC) gewann seinen Kampf gegen Dabel, den er zweimal in die Seile schickte, Freund (1. BvB) konnte sich mit Glück gegen den starken Kamdonn (Berlin) behaupteten und Köpke (ABC) benötigte nur zwei Runden, um als Gewinner gegen Dzhybu (Frankfurt O.) festzustehen. Verloren haben dagegen Kohn (ABC), der einen Schlag auf sein Kinn nicht verkraftete, Milbradt (1. BvB) der trotz Herzblut nicht an seinen Gegner rankam und beim einzigen Frauenkampf Kocharski (1. BvB) die mehrmals taumeln musste, bis ihre Ecke das Handtuch warf. Besonders weh taten die Niederlagen von Steinicke und Künzling (beide ABC). Zwar konnte Steinicke gegen Kostin (Ludwigslust) sein technisch variables Boxen zeigen, sich aber nicht durchsetzen. Beide Boxer befanden sich in der vierten Runde stehend K.O. und es sah für den Brandenburger gut aus. Der letzte strategische Hinweis aus der Ludwigsluster Ecke ergab dann aber den Sieg für Kostin, der durch Konter die entscheidenden Punkte sammelte. Es war wieder Trainer Schäfer, der die richtigen Worte fand. Künzling dagegen, stand nach dem Endkampf um die Deutsche Meisterschaft 2005, zum wiederholten Mal Moritz (Schöneweide) gegenüber. Es war bereits Künzlings 51. Auftritt, wo er immer wieder versuchte, eine erfolgreiche Revanche zu nehmen. Beide sind ähnlich stark, aber Moritz hat zurzeit den stärken Punch und Künzling verlor den Kampf nach Punkten.

Dieser emotionale Abend verabreichte den Zuschauern als Bonbon noch den Maske Kampf, den der Treuenbrietzer gewann. Die Öffentlichkeitsarbeit für den Brandenburger Boxsport ist durch die „Nacht der Fäuste“ reaktiviert worden und die Boxsportler haben in allen ihren Facetten die Attraktivität ihres Sports präsentiert. Dass der Amateurboxsport in Brandenburg an der Havel wieder auferstehen könnte, zeigte die Zuschauerresonanz und der soziale Mix, denn in der Havelstadt wurde Boxen schon früher groß geschrieben.

Weitere Informationen beim Stadtsportbund: 03381/ 30 03 05

Eine Reaktion zu “Trommelfeuer von 64 Fäuste”

  1. Michael

    Steinicke gegen Kostin könnt ihr bei mir noch mal sehen! war ein echt geiler Kampf! Der sieg war eindeutig und verdient! schöne grüße aus LWL!
    до свидания!

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