{"id":1752,"date":"2015-07-15T16:01:40","date_gmt":"2015-07-15T14:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cc4.de\/blog\/?p=1752"},"modified":"2015-07-16T10:16:00","modified_gmt":"2015-07-16T08:16:00","slug":"kalbsleber-und-himbeerbrand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/2015\/07\/presse\/kalbsleber-und-himbeerbrand","title":{"rendered":"Kalbsleber und Himbeerbrand"},"content":{"rendered":"<div class=\"g2image_float_left\"><wpg2>19922<\/wpg2><\/div>\n<p><strong>Fast ein Jahr ist vergangen, nach der ersten Restaurantkritik auf dem C4 Blog. Im Sinne der Entstehung der Welt war es nur ein kurzes Durchatmen, daf\u00c3\u00bcr ging es in die Walachei, aus der Sicht eines aktuellen Berliner Szeneg\u00c3\u00a4ngers, ins tiefste Charlottenburg zum Stuttgarter Platz.<\/strong> <em>Geschrieben von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/tomskiberlin\">Thomas G\u00c3\u00b6tz von Aust<\/a><\/em><\/p>\n<p>Du musst die Buletten probieren. Als auch noch das Westberliner Gesicht des rbb Ulli Zelle auf der Homepage des Gasthaus Lentz lamojierte, dass nicht mehr der b\u00c3\u00bcrgerliche Hotspot hier in Charlottenburg, sondern sich im schicken Mitte und den anderen \u00c3\u00b6stlichen Szenebezirken abspiele, liess mich Berliner Spiessigkeit in Reinform erwarten: dunkle Ganzholzvert\u00c3\u00a4felung, fetttriefendes Essen und eine Bedienung namens Biggi, die jeden Wunsch von der Speisekarte mit &#8222;Ist aus&#8220; quittiert. <!--more--><\/p>\n<p>Dass die Boulevardschaupielk\u00c3\u00b6nigin vom Kudamm <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nNDEmMDENcA\">Edith Hancke<\/a> an einem Tisch im Aussenbereich sass, als ich ankam, vervollst\u00c3\u00a4ndigte mein Bild. Soviel die Klischess eines zugezogenen Berliners \u00c3\u00bcber Berlin und seiner typischen Gastronomie, hinein in die Realit\u00c3\u00a4t: Das Lentz ist hell, mit renoviertem Stuck an den Decken und es gibt keine Musik. Was ich wirklich eine willkommene Abwechslung finde von der st\u00c3\u00a4ndigen Loungeberieselung in den \u00c3\u00b6stlichen Szenebezirken. Apropos Schrillheit und Szene: Das Restaurant war an einem Donnerstag Abend nicht nur draussen gut, sondern auch innen bis auf einen grossen Tisch komplett besetzt, den ich mit einer \u00c3\u00a4lteren Dame teilte, die die ganze Zeit ununterbrochen vor sich hinpfeifte.<br \/>\nSowieso, so scheint es mir, das Lentz ganz auf das Menschliche zu setzen: Die Kellnerin ausgebildet, was sich am sicheren Tragen von vier grossen Tellern zeigt, und wohl informiert \u00c3\u00bcber die Karte; der Wirt zapft schnell und f\u00c3\u00bchrt ein eloquentes Regiment \u00c3\u00bcber den Tresen; und als auch der K\u00c3\u00bcchenchef selbst den Thunfisch meiner pfeiffenden Tischnachbarin servierte, gabs ein pfiffiges Bonmot gleich f\u00c3\u00bcr mich mit: &#8222;Noch k\u00c3\u00b6nnen sie umbestellen.&#8220;<br \/>\nIch blieb aber bei meiner Kalbsleber Berliner Art und ich muss gestehen: Ich hatte selten eine derart perfekt abgestimmte, cremig reduzierte und a point dosierte, kurzum ph\u00c3\u00a4nomenale Sauce. Dass die Kr\u00c3\u00a4uter noch in der Sauce waren und nicht herauspassiert, verbuch ich unter Geschmacksfrage, auch wie die K\u00c3\u00bcche mit medium roh ohne Nachfrage der Kellnerin meinen Wunschgarpunkt traf, geschenkt. Noch ein letztes Wort zur Kellnerin: Sie empfahl von sich aus eine Spezialit\u00c3\u00a4t des Hauses und zugleich den Lieblingsschnaps des Wirts, einen Himbeerbrand. Wieder ein Volltreffer.<br \/>\nIch hatte kaum eine der ausliegenden Zeitschriften aus dem reichhaltigen und vielf\u00c3\u00a4ltigen Angebot aufgeschlagen, dann kam auch schon die Nachspeise: Wenn ich schon keine Bulette esse, dann wenigstens die Berliner Nachspeise schlechthin, Rote Gr\u00c3\u00bctze. War die Wartezeit auf die Leber nicht kurz, aber jede Minute wert, so war &#8211; leider, und das wird auch mein einziges bleiben &#8211; die Beerenmischung vermutlich hausgemacht, die Vanillesauce in keinem Fall. Was die Sauce des Hauptgerichts an Erwartung geweckt hatte, entt\u00c3\u00a4uscht dann die Sauce der Nachspeise. Sie war nicht schlecht, aber einem Gasthaus mit offensichtlich hohem Anspruch an Fleisch, Bewirtung und Getr\u00c3\u00a4nke &#8211; die Flasche Veltiner war eine spritzige wie moderate Begleitung zu 20\u00e2\u201a\u00ac &#8211; wurde sie nicht gerecht.<br \/>\nGerechtigkeit muss ich dem Stuttgarter Platz widerfahren lassen: Das Lentz hat keinen Hauch stillgestandener und lamoyanter Berliner Spiessigkeit, sondern ist ein modernes, ganz auf seine erw\u00c3\u00a4hnten St\u00c3\u00a4rken bauendes Gasthaus, wo man einfach gerne Gast ist. Danke f\u00c3\u00bcr Ihren &#8211; bis bald steht auf dem Rechnungsbon. Gerne, Lentz und &#8222;Stutti&#8220;. Dass Edith Hancke wenige Tage nach meinem Besuch im Lentz verstorben ist, erfuhr ich aus der Zeitung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19922 Fast ein Jahr ist vergangen, nach der ersten Restaurantkritik auf dem C4 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3,10],"tags":[31,698,697,175,176,613,657,694,696,424,695,693,670],"class_list":["post-1752","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-presse","category-reportage","tag-berlin","tag-berliner-gastronomie","tag-berliner-kuche","tag-c4","tag-c4-artmarke","tag-c4-blog","tag-c4-label","tag-gasthaus-lentz","tag-kalbsleber","tag-kerstin-jasinszczak","tag-lentz","tag-restaurantkritik-lentz","tag-thomas-gotz-von-aust"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1752"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1752\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}