{"id":2832,"date":"2022-12-06T17:09:00","date_gmt":"2022-12-06T16:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/?p=2832"},"modified":"2026-08-29T14:28:50","modified_gmt":"2026-08-29T12:28:50","slug":"wolfgang-mueller-punkmalerei-aus-subkultur-westberlin-1979-1989-f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/2022\/12\/kunst\/wolfgang-mueller-punkmalerei-aus-subkultur-westberlin-1979-1989-f","title":{"rendered":"Wolfgang M\u00fcller, &#8222;Punkmalerei&#8220;, aus Subkultur Westberlin 1979 &#8211; 1989, FUNDUS-B\u00dcCHER, 2013."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"790\" src=\"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Punkhouse-Radierung-036-1024x790.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2834\" srcset=\"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Punkhouse-Radierung-036-1024x790.jpg 1024w, https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Punkhouse-Radierung-036-300x232.jpg 300w, https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Punkhouse-Radierung-036-768x593.jpg 768w, https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Punkhouse-Radierung-036-1536x1185.jpg 1536w, https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Punkhouse-Radierung-036-2048x1580.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Peter Schlangenbader, 1978, &#8222;Punkhouse&#8220;, Radierung, Auflage 2\/10, Berlin.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolfgang M\u00fcller, unter Teil 3: \u00c4sthetik der Absage, <a href=\"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Punkmalerei-WM-weiss-auf-schwarz.pdf\">Punkmalerei<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Subkultur <br>Westberlin <br>1979 &#8211; 1989<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">FUNDUS-B\u00dcCHER, Philo Fine Arts, Seite 379 &#8211; 382, Hamburg, 2013.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Punkmalerei<\/strong><br>Ein einsamer Versuch, Ph\u00e4nomene der Post-Punk-Szene in die hochkulturelle Kunst<br>einzusortieren, findet sich im Tagesspiegel vom 7. Februar 1980. Der Kunstkritiker Heinz<br>Ohff, ein begeisterter Anh\u00e4nger der Jungen Wilden, pr\u00e4sentiert den Maler Peter Schmidt,<br>den \u201eEngelmann-Sch\u00fcler an der hiesigen Hochschule der K\u00fcnste\u201c. Er sei, so Ohff,<br>Westberlins \u201eerster Punk-Maler, der an die \u00d6ffentlichkeit tritt\u201c. Peter Schmidt stelle in<br>\u201eerregt kolorierten Zeichnungen Typen der neuen Underground-Szene dar, kurze Haare,<br>bunt eingef\u00e4rbt, Lederkleidung mit Kettendrapierung, grimmiger Blick.\u201c<br>Der Kritiker verpflanzt den \u201ePunk-Maler\u201c in die Tradition von L\u00fcpertz, Baselitz und<br>H\u00f6ckelmann. Diese, so Ohff, h\u00e4tten dessen Absichten \u201ein einer Art Vor-Punk\u201c aber<br>bereits ausgef\u00fchrt: roh, ungeschminkt, ohne Konzessionen an jenen \u201eguten Geschmack\u201c,<br>der b\u00fcrgerliche Kunst auszeichnet (oder auszeichnen sollte). Auch dieser Kritiker zeigt so<br>gut wie kein Interesse an interdisziplin\u00e4ren neuen Kunstformen aus Westberlin. Wie fast<br>alle Kunstkritiker vor Ort ist er den Traditionen des Berliner Realismus verpflichtet. Seine<br>Kritik in \u201ePunk als Malerei\u201c zielt denn auch haupts\u00e4chlich auf die mangelnde<br>professionell-malerische Reife des HdK-Sch\u00fclers. Dabei stellt Heinz Ohff das Bild Punk-<br>P\u00e4rchen in den Mittelpunkt seiner Kritik, um die \u201eUnausgereiftheit\u201c wortw\u00f6rtlich zu<br>demonstrieren. W\u00e4hrend der Mann von Kopf bis Fu\u00df malerisch ausgef\u00fchrt sei, seien von<br>der Frau nur Kopf und Oberk\u00f6rper skizziert \u2013 f\u00fcr Heinz Ohff \u201eskizziert von Peter Schmidt<br>und mangels Geduld des weiblichen Modells nicht zu Ende gef\u00fchrt.\u201c Das klingt sehr<br>komisch \u2013 besonders im oft recht humorfrei-biederen Tagesspiegel jener Zeit. Tats\u00e4chlich<br>\u00f6ffnet Heinz Ohff hier unversehens einen Frischluftkorridor, eine Alternative jenseits der<br>Tradition des Berliner Realismus. Ein Akt muss ja nicht unbedingt die Treppe hinab- oder<br>heraufsteigen, um eine Richtungs\u00e4nderung in der Kunstgeschichte zu verursachen. Das<br>Modell des Malers k\u00f6nnte auch einfach die Sitzung abbrechen und aus dem Bild gehen<br>und damit den ihm zugewiesenen Platz verlassen: als selbstbestimmtes, emanzipiertes<br>Modell, welches die eigene Position gegen die Interessen des K\u00fcnstlers abw\u00e4gt und daraus<br>entsprechende Konsequenzen zieht.<br><br><strong>Ungeduld<\/strong><br>Das Modell, das die Sitzung mit dem Maler Peter Schmidt vorzeitig abbrach, konnte im<br>Laufe der Recherchen f\u00fcr das vorliegende Buch ermittelt werden. Es hei\u00dft mit<br>b\u00fcrgerlichem Namen Betti Moser und ist geb\u00fcrtige Westberlinerin. Heute lebt sie als<br>\u00dcbersetzerin in Nordengland. Tats\u00e4chlich hatte sie, wie sie heute sagt, damals keine Lust,<br>lange bewegungslos zu verharren. Betti Moser geh\u00f6rt zur ersten Generation junger<br>Westberliner Punks um 1978, die bis 1980 zwei- bis dreihundert Personen umfasst. Nun<br>gestalten die Punks sich selbst, ihre Kleidung und ihren K\u00f6rper selber. Sie sind quasi ihr<br>eigenes Kunstwerk und dessen Sch\u00f6pfer zugleich. Sie wandeln auf den Spuren der<br>\u201eLebenden Bilder\u201c aus der Goethezeit \u2013 nur eben individualisiert, bewegt und atomisiert.<br>Daraus erkl\u00e4rt sich auch das Misstrauen gegen die Anwesenheit von K\u00fcnstlern in<br>Punklokalen \u2013 K\u00fcnstlern, die in einer k\u00fcnstlerischen Mission wahrgenommen werden<br>wollen. Warum sollte ein lebendes, selbstst\u00e4ndiges Kunstwerk Interesse zeigen, an seiner<br>eigenen Nachbildung in Form von Flachware mitzuwirken?<br>In den von Rainer Fetting gemalten neoexpressiven Punks erkennt sich kaum ein Punk<br>wieder \u2013 daf\u00fcr vermutlich aber die Anh\u00e4nger des deutschen Expressionismus, auf der<br>Suche nach der lang ersehnten zeitgen\u00f6ssischen Fortsetzung. Gemalte Punks wirken wie<br>Rockstars, die Punkposen imitieren. Punks in Acrylfarben sehen ungef\u00e4hr so aus, wie sich<br>die Musik von Spliff, Interzone, TEMPO oder PVC anh\u00f6rt.<br>Dank ihres akribisch gef\u00fchrten Tagebuchs kann Betti Moser Ort und Tag rekonstruieren,<br>an dem sie das Modellstehen abbrach und zum unvollendeten K\u00fcnstlermodell wurde: \u201e23.<br>September 1978 \u2013 Fete bei Martin. Der andere Typ auf dem Bild hie\u00df \u00fcbrigens Herbert. Er<br>war zu Punkhouse-Zeiten mit in der Clique mit Chris und Mario Huth. Die Fete fand in<br>einer Ladenwohnung oder einer Galerie statt \u2013 das war irgendwo in der N\u00e4he des<br>Kaiserdamms in Charlottenburg.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang M\u00fcller, unter Teil 3: \u00c4sthetik der Absage, Punkmalerei. Subkultur Westberlin 1979 &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":126,"featured_media":2834,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2,10],"tags":[175,613,800],"class_list":["post-2832","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kunst","category-reportage","tag-c4","tag-c4-blog","tag-peter-schlangenbader"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Punkhouse-Radierung-036.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2832","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/126"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2832"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3415,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2832\/revisions\/3415"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2834"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}