{"id":47,"date":"2006-12-17T09:56:56","date_gmt":"2006-12-17T07:56:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cc4.de\/blog\/2006\/12\/allgemein\/fantasiereise-eines-neugierigen\/"},"modified":"2009-05-19T00:12:14","modified_gmt":"2009-05-18T22:12:14","slug":"fantasiereise-eines-neugierigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cc4.de\/blog\/2006\/12\/presse\/fantasiereise-eines-neugierigen","title":{"rendered":"Fantasiereise eines Neugierigen"},"content":{"rendered":"<div class=\"g2image_float_left\"><wpg2id>3465<\/wpg2id><\/div>\n<p><strong>Rainald Grebe besuchte die Havelstadt innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal. Er pr\u00c3\u00a4sentierte in einer emotionalen Lesung sein Buch \u00e2\u20ac\u017eGlobal Fish\u00e2\u20ac\u0153, das 2006 im Fischer Verlag erschien. <\/strong><em>Von [ice]<\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00e2\u20ac\u017eGelbe Salon\u00e2\u20ac\u0153 des Fontane-Klub war fast voll, im Rampenlicht sa\u00c3\u0178 <a title=\"grebe\" href=\"http:\/\/www.rainaldgrebe.de\">Rainald Grebe<\/a> zwischen Fl\u00c3\u00bcgel, Keyboard und Weihnachtsbaum, im Hintergrund ein roter Vorhang aus Samt. In seiner Geschichte geht es um den frisch gebackenen Abiturienten Thomas Blume, der sein Zeugnis mit 1,0 bestand und auf Reisen gehen wollte. Die Frage war nur wohin?<!--more--> In allen F\u00c3\u00a4chern war er \u00c3\u00bcberdurchschnittlich gut, ihn interessiert alles und alle Reiseprospekte sehen gleich aus. Er scheitert unweigerlich in der ersten Pr\u00c3\u00bcfung der Erwachsenenwelt, die von ihm fordert, einen einzigen (Lebens-)Weg zu beschreiten. Blume entscheidet sich f\u00c3\u00bcr eine sonderliche Seefahrt, von einem Tag auf den anderen. Sein letztes Spiel in der Badewanne wird, vor lauter Vorfreude, zur kinderlichen Fantasiereise auf tosenden Wogen, der Abschied von Vater und Mutter zum jugendlichen Alptraum: Die zu hauchd\u00c3\u00bcnnem Papier gewordenen Eltern, die sich von ihm nicht l\u00c3\u00b6sen k\u00c3\u00b6nnen, machen keinen Vorwurf aber leiden sichtlich. Er kann sie wegpusten.<\/p>\n<p>Beim Einchecken auf das Schiff aus dem 19. Jahrhundert, muss er sich von allem verabschieden was ihm lieb ist, die Taschenkontrolle entpuppt sich zum Taschenleeren. Nicht einmal seinen Namen darf er mitnehmen, aber hier entscheidet Blume intuitiv f\u00c3\u00bcr Tradition. Aus Thomas Blume wird Tom Bloom, ein kleiner Anker auf der folgenden Odyssee.<br \/>\nIst das Schiff f\u00c3\u00bcr Tom Bloom allein? Der Kapit\u00c3\u00a4n sieht aus wie ein Penner, nein, er ist ein Penner. Tom Bloom wird es mulmig aber auf die &#8222;Konsequentweiterbildung&#8220; auf dem Meer aus &#8222;Blaublau&#8220; will er nicht verzichten, denn er fragt sich: \u00e2\u20ac\u017eUm was geht es im Leben?\u00e2\u20ac\u0153 Und hat die Antwort. &#8222;Es geht doch nur darum, wirklich was zu erleben&#8220;.<\/p>\n<p>Die schwarze Wand im Westen brachte die Wende. Er \u00c3\u00bcberlebt &#8222;wolkenkratzerhohe&#8220; Wellen, ein Saufgelage und als er, entspannt und pfeiferauchend dar\u00c3\u00bcber nachdenkt, &#8222;Sturm gemacht, Saufen gemacht, die n\u00c3\u00a4chste Pr\u00c3\u00bcfung kann kommen&#8220;, f\u00c3\u00a4llt ein totes Pferd auf ihn. Die Beschreibung, wie das Pferd runterf\u00c3\u00a4llt, ist eine Mischung aus Dramatik, Surrealismus und Splatter, ein Mix aus <a title=\"matrix\" href=\"http:\/\/whatisthematrix.warnerbros.com\/deutsch\/\">&#8222;Matrix&#8220;<\/a> und <a title=\"lucky luke\" href=\"http:\/\/www.lucky-luke.de\/\">&#8222;Lucky Luke&#8220;<\/a>. Den Ausgang k\u00c3\u00b6nnte Pedro Almod\u00c3\u00b3var verfilmen. Die Zuh\u00c3\u00b6rer seufzen als das Tier unten ankam. Die anschlie\u00c3\u0178ende OP, mit S\u00c3\u00a4geger\u00c3\u00a4uschen bis zum Beinstumpf, ist reine Zugabe. So eine Beinamputation ist doch kein Beinbruch.<\/p>\n<p>Rainald Grebe las in Fragmenten aus dem ersten Kapitel seines Buches. Als er aufstand war er durchschwitzt, die Zuh\u00c3\u00b6rer auch. Auch wenn in seinen Lesungen die theatralische Ader heraussticht, was bei seinem Sprachwitz nicht unbedingt n\u00c3\u00b6tig w\u00c3\u00a4re, zeigt Grebe inhaltischen Anspruch und beh\u00c3\u00a4lt eine klare Text-Bildsprache. Die Gradwanderung, zwischen spa\u00c3\u0178iger Unterhaltung und detaillierten Szenen, wirkt durch die st\u00c3\u00a4ndigen Pointen unendlich. 428 Seiten hat der Roman, der nicht wie ein Roman klingt, sondern wie ein schriftlicher Comic. &#8222;Urspr\u00c3\u00bcnglich war nicht beabsichtigt ein Buch zu schreiben, sondern Seemannskitsch&#8220;, erz\u00c3\u00a4hlt Rainald Grebe, \u00e2\u20ac\u017enach 30 Seiten sah es dann aber anders aus.&#8220; Grebe schreibt nur im Sommer und sieht sein Buch durchaus als den Versuch eines Weltentwurfes. &#8222;Auch im realen Leben k\u00c3\u00b6nnen wir nicht alles durchg\u00c3\u00a4ngig gestalten, es wird immer mehr wie Zeitarbeit. Aber wenn wir was machen, dann konsequent.&#8220; Damit bewegt er sich auf dem, von politischer und wirtschaftlicher Seite, geforderten Weg m\u00c3\u00b6glichst schnell, flexibel und vielseitig zu sein.<\/p>\n<p>2006 wurde Rainald Grebe der renommierte <a title=\"kleinkunstpreis\" href=\"http:\/\/www.unterhaus-mainz.de\/ver02\/Frame_Preis.html\">&#8222;Deutsche Kleinkunstpreis&#8220;<\/a> verliehen, er ver\u00c3\u00b6ffentlichte das Buch &#8222;Global Fish&#8220;, das er vor elf Jahren als 25-j\u00c3\u00a4hriger begann, und will von Schaffenspause nichts wissen: Jetzt arbeitet er wieder an neuen Liedern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3465 Rainald Grebe besuchte die Havelstadt innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal. 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