„Die Besucher“ bringen Punkrock

4048

Seit 2005 existiert die Punkband „DieVisitor“, die sich vor allem durch ihre Live-Auftritte einen Namen macht. Vier Mal waren sie letztes Jahr zu sehen, 2007 standen sie bereits doppelt so oft auf der Bühne. Von [ice]

Angefangen hat es mit drei Akkorden und ein bißchen Rock ´n Roll, aber sie wollten „nicht das Gleiche wie alle junge Bands machen, es soll melodisch ins Ohr gehen“, sagt Schlagzeuger Daniel „Blink“ Warm. Dabei gehen sie systematisch vor: Für den ersten musikalischen Entwurf treffen sich Sänger Karsten „Fu“ Bochert und Gitarrist Stephan „Steffi“ Bahro-Groth, hier werden erste Ideen beraten, ausprobiert, verworfen. Was übrig bleibt, kommt in den Proberaum und wird hundert Mal durchexerziert. „Was gefällt wird weiterentwickelt“, erzählt Fu, „wir haben die volle Demokratie“. „DieVisitor“ spielen vehemente Punkmusik.
„Bisher sind es persönliche Texte, die wir in der Musik verarbeiten“, meint Fu, zu den Inhalten ihrer Musik „dabei ist weder Ironie über uns selber Tabu, noch die Verarsche über andere“. Mal treten sie im Anzug auf, mal in Frauenkleidern. Sie verwehren sich gegen Schubkastendenken, covern aus Übermut „Bums nix meine Frau“ (Tonnensturz) oder verarbeiten in „Falscher Freund“ die Verlogenheit ehemaliger guter Freunde.

Steffi, Schüler an der Gesamtschule Görden, spielt seit zwei Jahren Gitarre und gehört trotz seiner lässigen Art zu den ehrgeizigen. Als mehrfacher Landesmeister im Einer-, Zweier- und Viererboot im Rudersport, weiß er, dass nur üben zum Ziel führt. Das jüngste Bandmitglied, Thekla-Luise Molle, spielte sechs Jahre Cello, erst seit Sommer 2006 hängt sich die 16-Jährige den Bass um den Hals. Die Leichtigkeit, mit der sie sich in das Instrument eingefunden hat, ist auch der Tradition ihrer Musikerfamilie zu verdanken: Der Name Molle ist in der Osterliner Musikszene bekannt. In dieser heterogenen Konstellation, gibt bei „DieVisitor“ Schlagzeuger Blink nicht nur den Rhythmus vor, sondern gilt als ausgleichende Stütze. Acht Jahre hat er auf Brandenburger Gewässern Erfahrungen als Segler sammeln können. Jetzt lotet, der augenscheinlich zurückhaltende Autodidakt, sein Instrument in einer härteren Gangart aus. „Ich war zwar ein halbes Jahr auf der Städtischen Musikschule“, äußert er sich über seine musikalische Ausbildung, „aber für mich war sie kein Zubrot.“ Der Germanistik- und Philosophiestudent aus Potsdam besprüht stattdessen lieber sein Instrument, zieht sich Masken auf oder im Laufe eines Konzertes aus.

30 Musiktitel hat die Band auf Lager, von denen sie für ihr Bühnenprogramm rund 14 Lieder aussuchen. „Wir nehmen uns eine dreiviertel Stunde vor, sind aber meist eher fertig“, grinst Fu. Im „HdO“ und „Ferrum“ waren sie kürzlich zu sehen und bewiesen, warum sie als Live-Band berüchtigt sind: Erst wenn die Party aus den Fugen zu geraten scheint, sind die Punkrocker zufrieden. Jetzt möchten sie auswärts punkten, es geht nach Niemegk und Rathenow, was durchaus zur Konsequenz haben könnte, dass der „Punkrock made Havelstadt“ für die nächsten Jahre in Land Brandenburg gesichert ist.

Informationen unter: www.dievisitor.de.vu

Einen Kommentar schreiben