Jan Friedrich

DISTRICT 8 präsentiert am Samstag, den 1. Mai 2021 die Bilder “Ivan der Schreckliche isst das Gehirn seines Sohnes“ (2015 – 2017) und das Waldbild „Bogorodica“ (2020). Dazu gesellen sich ein weiteres Waldbild „Rusalka, Sumpflicht“ und das kleinformatige, atmosphärisch beeindruckende, Landschaftsbild „Die Schatten der vergessenen Ahnen“.

Mit Jan Friedrich, 33, begegnet uns in Berlin ein unbekannter Maler, der seit dem Ende seines skandalträchtigen Studiums, 2015, nicht mehr ausstellte. In seinen detailliert-ausgearbeiteten Gemälden zeigt er Referenzen zum Realismus des 18. und 19. Jahrhundert auf und verwebt darin historische Bezüge. Jan Friedrich vertritt im weitesten Sinne – u. a. auch die Neue Leipziger Schule – einen Realismus des 21. Jahrhunderts. Er spricht sieben Sprachen.

JAN FRIEDRICH
2015 Meisterschüler bei Herrn Professor Werner Liebmann, Kunsthochschule Weißensee, Berlin
2020 Bachelor Fine Arts: Slawische Sprachen und Literaturen, Humboldt- Universität zu Berlin, Berlin

“Bogorodica”, 2020, 180 x 160 cm, Öl auf Leinwand.
“Rusalka, Sumpflicht”, 2017, 80 x 125 cm, Öl auf Leinwand.

Auslandsaufenthalte
2013  Stieglitz-Akademie, St. Petersburg
2016  Artist in Residence, Qingdao, China
2018  Univerzita Karlova, Prag
2018  MGU, Moskau
2020  NLU Iwan Franko, Lemberg

Studienreisen
2005  (West-)Ukraine
2016  Solowki-Inseln, Weißes Meer, Rußland
2018  Balkan
2019  Kaukasus
2019  Maramureș, Rumänien
2019  Sizilien, Kampanien, Basilikata
2019  Auvergne-Rhône-Alpes, Burgund

ZU SEINEN BILDERN
Mit „Ivan der Schreckliche isst das Gehirn seines Sohnes“ und „Bogorodica (Gottesmutter)“ stehen sich zwei Werke gegenüber, die vordergründig nichts miteinander gemein haben, jedoch in einem allegorischen Bezug zueinander stehen, der sich gerade in der drastischen Gegensätzlichkeit entfaltet.

Anders als in Ilja Repins Vorlage zum Kopfporträt Ivans wird der russiche Zar und Sohnesmörder in Friedrichs Werk als ein Mensch erfahrbar, der sich gleichzeitig der Schrecklichkeit seiner Tat bewusst ist, diese jedoch durch die Forcierung zu überwinden versucht. Die Einverleibung soll die Tat aufheben, macht sie jedoch nur entsetzlicher, da der Mensch nicht imstande ist, sich selbst die ersehnte Erlösung zu geben.

„Bogorodica“, 2020
Das Dickicht dieser unaufhebbaren Verstrickung findet sich in „Bogorodica“ wieder als eine wenig einladende Natur, die dem Betrachter als undurchdringbarer Tannenwald begegnet, in dem jeder mögliche Weg durch Totholz versperrt wird. Ein Vorankommen scheint nur noch beschwerlich und in Richtung Dunkelheit möglich zu sein. Ein Erlösungsangebot erscheint inmitten dieser Natur: Hoch oben befindet sich von schwachem Kerzenlicht beschienen die Vladimir-Ikone der heiligen Gottesmutter und zeigt den Weg zu Trost und Hoffnung.

“Die Schatten vergessener Ahnen”, 2017, 80 x 125 cm, Öl auf Leinwand.

Die zwei weiteren Werke, die District 8 am ersten Ausstellungstag zeigen wird, führen den Betrachter weiter in die Tiefe von Friedrichs‘ Landschaftsmalerei und zu deren bemerkenswerter Doppelbödigkeit: Der Maler begegnet uns mit „Rusalka, Sumpflicht (Ignis fatuus)“ und „Die Schatten der vergessenen Ahnen“ als überragender Techniker, der seine Fertigkeit sowohl mit der nordosteuropäischen Sumpflandschaft als auch mit der Bergweide in den Karpaten in den Dienst metaphysischer Evokation stellt. Ob der Betrachter verleitet wird, ganz darin aufzugehen, ob ihm im nächsten Augenblick die Inbesitznahme durch Rusalken (weibliche gestalten des slawischen Volksglaubens) geschieht oder ihm deren Wiedergänger begegnen, kann niemand voraussagen.

Eine Reaktion zu “Jan Friedrich”

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